Willkommen zum Soziologiestudium an der JGU Mainz!

Soziologie ist die allgemeine Wissenschaft von den sozialen Phänomenen. Ihr Gegenstand reicht von elementaren sozialen Beziehungen über Gruppen, Netzwerke, Organisationen und Gesellschaften bis hin zu den Prozessen und Strukturen der Weltgesellschaft. Die Soziologie untersucht, wie menschliches Handeln funktioniert, nach welchen ungeschriebenen Gesetzen Menschen miteinander interagieren und welchen Einfluss strukturelle Rahmenbedingungen und kulturelle Institutionen auf derartige Praktiken haben. Genauso versucht die Soziologie zu verstehen, wie Massenphänomene (etwa Moden) zustande kommen und welche Dynamiken zu Konflikten führen. Mit diesem großen Spektrum von Phänomenen ist die Soziologie weniger spezialisiert als andere Sozialwissenschaften. Sie ist eine empirische Wissenschaft, die ihre Gegenstände mit systematischen Beobachtungen und statistischen Datenerhebungen erfasst und auf dieser Grundlage Theorien entwickelt und prüft. Die Soziologie verfügt über verschiedene Forschungsmethoden und theoretische Ansätze, um den Besonderheiten ihrer Gegenstände gerecht zu werden. Ihre innere Vielfalt macht das Studium der Soziologie spannend, verlangt aber auch stetige Perspektivenwechsel ab.

Haben Sie sich schon einmal gefragt, wie gut die Möglichkeiten eines sozialen Aufstiegs in Deutschland sind und welche gesellschaftlichen Institutionen solche Prozesse begünstigen oder hemmen? Oder welche Institutionen dafür sorgen, dass Menschen auch im 21. Jahrhundert immer noch nach Geschlecht unterschieden werden, warum etwa Elternschaft nur als Mutter- oder Vaterschaft zu haben ist? Haben Sie schon einmal genauer darüber nachgedacht, woran Lehrkräfte gute Schüler*innen erkennen und welche Beobachtungen in die Bewertung von Menschen durch Bildungsorganisationen einfließen? Möchten Sie wissen, weshalb Menschen sich zu bestimmten Menschen hingezogen fühlen und wie daraus soziale Netzwerke werden? Interessieren Sie sich dafür, wie neue Technologien und Innovationen entstehen, sich innerhalb von gesellschaftlichen Handlungszusammenhängen entwickeln und unsere soziale Wirklichkeit verändern? Wollen Sie erfahren, wie sich Privatheit und Öffentlichkeit durch Smartphones und Soziale Medien verändern? Dies ist nur eine kleine Auswahl an Fragen, auf die wir zusammen mit Ihnen im Mainzer Soziologiestudium Antworten zu formulieren suchen.

 

Besonderheiten des Mainzer Soziologiestudiums

Das Soziologiestudium wird an der JGU Mainz als grundständiger Bachelorstudiengang im Kern- und Beifach angeboten. Darauf aufbauend lässt sich der Masterstudiengang „Soziologie: Forschungspraxis und Praxisforschung“ anschließen.

Das Soziologiestudium ist durch ein breites Angebot attraktiver gegenstandsbezogener Soziologien gekennzeichnet, die im Bachelorstudiengang in Orientierungs- und Vertiefungsmodulen gelehrt werden. Derzeit gibt es acht Spezialisierungen, die jeweils einem der folgenden Arbeitsbereiche entspringen:

 

  • Netzwerkforschung und Familiensoziologie - Spezialisierung: Familiensoziologie

 

Familie bedeutet Geborgenheit, Vertrautheit, aber auch Unterstützung und Hilfe. Sie ist ein privates soziales Netz mit engen Bindungen, in dem mehrere Generationen füreinander sorgen und Verantwortung übernehmen. Der Arbeitsbereich analysiert diese sozialen Verbindungen. Welche Rolle spielt das Netzwerk Familie tatsächlich, wann ist es in welcher Weise wirksam, wie verändert es sich über den Lebensverlauf hinweg?

 

  • Wissens- und Bildungssoziologie, qualitative Methoden - Spezialisierung: Bildungssoziologie

 

Menschen kennen sich aus und verstehen sich auf etwas; und Organisationen nutzen sachliches und technisches Wissen zur Bearbeitung von Menschen und Dingen. Der Arbeitsbereich erforscht diese Wissensprozesse an verschiedenen Orten der Gesellschaft: Schule und Hochschule, Physik und Robotik, Verteidigungskräfte, Esoterik und Endlagerforschung. Empirisch nutzt er qualitative Forschungsmethoden sowie verschiedene Theorieansätze.

 

  • Soziologie und Methoden der quantitativen Sozialforschung, Schwerpunkt Arbeit & Wirtschaft - Spezialisierung: Wirtschaftssoziologie

 

In Lehre und Forschung setzt der Arbeitsbereich inhaltliche und methodische Schwerpunkte. Inhaltlich geht es um das soziale Handeln in den Bereichen Arbeit und Wirtschaft, um dessen Formen, Voraussetzungen und Folgen sowie den Wechselwirkungen mit anderen Bereichen. Methodisch stehen Verfahren der quantitativen Sozialforschung und Statistik im Vordergrund, deren Grundausbildung auch vom Arbeitsbereich geleistet wird.

 

  • Sozialstrukturanalyse - Spezialisierung: Kultursoziologie

 

Der Arbeitsbereich untersucht die Sozialstrukturen und Kulturen moderner westlicher Gesellschaften. Die Sozialstrukturanalyse beschäftigt sich mit der Frage, wie wertvolle Ressourcen, Positionen und Handlungsgelegenheiten in der Bevölkerung (ungleich) verteilt und in persönliche Netzwerke eingebettet sind. Eng verzahnt damit richtet sich die Kulturanalyse auf ethische Überzeugungen, ästhetische Präferenzen und Lebensstile in der Gesellschaft.

 

  • Soziologische Theorie und Gender Studies - Spezialisierung: Gender Studies

 

Der Arbeitsbereich forscht auf der Basis von Interaktions- und Praxistheorien zu Fragen der Humandifferenzierung: Das ist die Unterscheidung in „Geschlechter“, „Rassen“, Altersklassen, Nationen, Konfessionen usw. Diese Fragen werden mit Methoden der qualitativen Sozialforschung (ethnografisch, interaktions- und diskursanalytisch) in diversen Praxisfeldern – Paarbeziehungen, Schwangerschaft und Tod, Lesen und Träumen, körperliche Mobilität etc. – untersucht.

 

  • Körpersoziologie - Spezialisierung: Körpersoziologie

 

Der menschliche Körper ist ein sozialer Gegenstand: Gesellschaftliche Strukturen, Prozesse und Diskurse schreiben sich in den Körper ein, formen ihn und prägen, wie Körper betrachtet und behandelt werden. Daneben wird soziale Wirklichkeit auch in körperlichen Praktiken produziert und leiblich erlebt. Die Juniorprofessur untersucht diese doppelte „Verkörperung“ von Gesellschaft.

 

  • Mediensoziologie und Gesellschaftstheorie - Spezialisierung: Mediensoziologie

 

Der Arbeitsbereich untersucht das Zusammenspiel von Medien- und Gesellschaftswandel. Dabei kann es um die Konsequenzen sozialer Medien, den Kulturwandel durch Künstliche Intelligenz oder die Digitalisierung von und durch Organisationen gehen. Gesellschaftstheoretisch interessiert uns die Veränderung von Kommunikation durch Technik, das Zusammenspiel struktureller und kultureller Differenzierungen sowie die Bedeutung gesellschaftlicher Zukunftsentwürfe.

 

  • Technik- und Innovationssoziologie, Simulationsmethoden - Spezialisierung: Technik- und Innovationssoziologie

 

Neue Technologien und Innovationen stellen Institutionen der gesellschaftlichen Planung, Steuerung und Koordination vor große Herausforderungen, da sie als zukünftiges neues Wissen und Handeln weder vorhersagbar noch verfügbar sind. Der Arbeitsbereich analysiert und erklärt die gesellschaftlichen Handlungs- zusammenhänge rund um Genese, Strukturen und Folgen von Technologien und Innovationen. Dabei erfordert die hohe Komplexität des Gegenstands innovative Methoden

 

Eine weitere Besonderheit ist die mehrgleisige Methodenausbildung. Im Bachelorstudiengang werden sowohl quantitativ-statistische als auch qualitativ-interpretative Methoden der Sozialforschung gelehrt. Im Masterstudium ist eine Spezialisierung auf einen der Bereiche vorgesehen, doch ist auch ein kombiniertes Methodenstudium möglich. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, Methoden der Netzwerkanalyse und der Simulation zu erlernen.